Ausdruck von der Webseite www.dr-guenther-denzler.de

Statement

Freitag, 30. Juni 2017

„INKLUSION GEHT ALLE AN!“

Schlusswort von Dr. Günther Denzler, Vizepräsident des Bayerischen Bezirketags, anlässlich der Vollversammlung des Bayerischen Bezirketags am 6./7. Juli 2017 in Würzburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

ein informativer, interessanter und auch wegweisender Vormittag liegt hinter uns. Wir haben aufschlussreiche Beiträge und eine ebenso lebhafte wie engagierte Diskussion erlebt. Es ist uns dabei auf überzeugende Art gelungen, die Bedeutung und den Wert der Inklusion aufzuzeigen: in all ihrer Vielfältigkeit, in ihren Aufgaben, Herausforderungen und Chancen.

An vielen wichtigen Beispielen und anhand sehr persönlicher Schilderungen wurde dargestellt, was Inklusion für unsere heutige moderne Gesellschaft ist und auf welchem Stand sie sich derzeit befindet. Wir haben aber auch gehört, welch enorme Herausforderungen noch vor uns liegen, um eine noch bessere Integration von Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft zu erreichen.

Der Weg, gemäß der UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen, dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, ist aber offenkundig noch weit. Das haben uns die beiden Tage hier in Würzburg deutlich vor Augen geführt. Ob er auch mühsam und beschwerlich sein wird, liegt vor allem an uns selbst, den sieben bayerischen Bezirken.
Und es liegt daran, wie wir Inklusion heute und in Zukunft verstehen; welchen Stellenwert wir ihr jenseits von sicherlich immer gut gemeinten Festreden im Alltag geben und was wir bereit sind dafür in die Waagschale zu legen. Damit meine ich nicht nur die gewaltigen finanziellen Ressourcen, die für ein Mehr an Inklusion in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zur Verfügung gestellt werden müssen.

Vielmehr wird es darum gehen, Inklusion im Bewusstsein der Menschen, und damit im alltäglichen Leben, immer stärker als eine Form der Selbstverständlichkeit zu verankern. Es gilt Menschen mit Behinderungen mehr Teilhabe und damit mehr Autarkie für ihr Leben zu ermöglichen. Aber ich sage es auch ganz offen: Nicht alles, was wünschenswert wäre, wird auch finanzierbar sein. Das müssen wir ehrlich ansprechen.

Ich stimme unserem Verbandspräsidenten Josef Mederer ausdrücklich zu, wenn er heute festgestellt hat, dass Inklusion und damit der Aufbau einer inklusiven Gesellschaft eine Herkulesaufgabe ist. Sie kann in keinem Fall von einer oder nur wenigen gesellschaftlichen und politischen Gruppierungen alleine erreicht werden. Auch hier herrscht Übereinstimmung.

Eindrucksvoll waren die Schilderungen der Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Irmgard Badura. Sie hat uns heute anhand unterschiedlicher Beispiele verdeutlicht, wie schwer Integration von Menschen mit Behinderungen im Alltag ist und sicherlich auch noch auf längere Zeit bleiben wird.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

lassen Sie mich stellvertretend hier in meinem Schlusswort dieses Beispiel kurz skizzieren:

Es ist heute hier die Frage gestellt worden, ob Inklusion immer realisierbar sei. Professor Dr. Reinhard Lelgemann hat dazu nicht nur interessante, sondern zweifellos wegweisende Einblicke für die kommenden Jahre gegeben. Für die bayerischen Bezirke stelle ich fest: Inklusion muss realisierbar sein! Dort, wo wir heute noch nicht zu leugnende Defizite haben, muss sie realisierbar gemacht werden! Denn was wäre eine Gesellschaft im besten Sinne des Wortes „wert“, wenn sie die Schwächsten der Schwachen - nämlich die Menschen mit Behinderungen - entweder ganz ausschließt aus dem täglichen Leben oder diesen Betroffenen nur ein Leben in eingeschränkter Autonomie zugesteht?

Letzteres wäre sicherlich nicht im Sinne eines humanistischen Menschenbildes, dem sich gerade die sieben bayerischen Bezirke in ihren Aufgaben und auch in ihrem Selbstverständnis aufs Engste verpflichtet wissen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

jede Form von Behinderung ist anders. Das haben uns heute viele Teilnehmer aus eigener, oft schmerzhafter Betroffenheit, berichtet. Es gibt folglich nicht den behinderten Menschen. Sondern es gibt eine Vielfalt von Behinderungen, deren wir uns in unserem Bemühen beim Aufbau einer inklusiven Gesellschaft zuwenden müssen.
Es betrifft auch die Menschen mit seelischen Behinderungen, die in diesem Kontext zuweilen allzu leicht vergessen, mindestens aber übersehen werden. Und genau das dürfen und werden die Bezirke in der gesamten Diskussion nicht zulassen. Auch dieses Signal geht von Würzburg aus.

Wir werden deshalb auch weiterhin alles daransetzen, Inklusion als immerwährende Aufgabe zu sehen. Eine Aufgabe, deren schrittweise Umsetzung nicht erst heute hier in Würzburg begonnen hat, sondern bereits vor langer Zeit. So appellieren wir an alle, die uns auf diesem Weg verbunden sind, mit uns zu gehen. Ich verweise hier auf die Politik des Freistaats Bayern, aber auch auf das unschätzbare Mitwirken beispielsweise aller Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und auch auf die gute Zusammenarbeit mit den freien Wohlfahrtsverbänden.

Ich sage herzlichen Dank für die ermutigende Festrede des Bayerischen Staatsministers des Innern, Joachim Herrmann, vom gestrigen Tage. Wie unverzichtbar die dritte kommunale Ebene für das Gemeinwesen in Bayern ist, hat Staatsminister Herrmann in aller Klarheit noch einmal deutlich gemacht! Dafür danken wir ihm herzlich.

Ich sage auch ein herzliches Dankeschön den vielen Referenten und Experten, die uns am heutigen Tag begleitet haben. Stellvertretend Herrn Frank Kupka, der auf sehr eindringliche Art über den Alltag taubblinder Menschen zu berichten wusste. Ich nenne auch Herrn Klaus Nuißl, den Ex-In-Genesungsbegleiter des Bezirks Oberpfalz, der den Blick in die Psychiatrie und ihre Herausforderungen richtete.

Schließlich danke ich allen, die heute hier an der Diskussion mitgewirkt haben: vor allem aber an Frau Anouschka Horn vom Bayerischem Rundfunk, die mit Leidenschaft und Sensibilität die schwierigen Fragen rund um Inklusion moderierend begleitete.

Ich danke schließlich auch dem Bezirk Unterfranken und seinem Präsidenten, Dir lieber Erwin Dotzel, der unsere Vollversammlung ausgerichtet und zu einem besonderen Schwerpunkt im Veranstaltungskalender des Bayerischen Bezirketags in diesem Jahr gemacht hat. Eingeschlossen ist hier auch der Dank an die Mitarbeiter der Geschäftsstelle des Bezirks Unterfranken, die die Tagung kreativ vorbereitet und begleitet haben.

Meine Dankesworte werden abgerundet, durch den Dank an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bayerischen Bezirketags. Die Verbandsgeschäftsstelle hat unter der Federführung unseres Geschäftsführenden Präsidialmitglieds Stefanie Krüger die einzelnen Programmpunkte exzellent vorbereitet. Ganz herzlichen Dank dafür!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich möchte heute mit einem Wort des chinesischen Philosophen Laotse schließen, das vielleicht noch einmal auf sehr nachdenkliche Weise zum Abschluss dieser Vollversammlung beiträgt: „Beginnen ist Stärke. Vollenden können ist Kraft.“. Lassen Sie uns in diesem Sinne, das, was wir bereits rund um die Inklusion begonnen haben, nun auch weiterführen und am Ende vollenden: Im Sinne der uns anvertrauten Menschen mit Behinderungen und im Sinne einer tatsächlichen Gesellschaft mit menschlichem Gesicht.
Ihnen allen nun einen guten Heimweg. Die Vollversammlung 2017 des Bayerischen Bezirketags ist damit geschlossen.

 

Weitere Informationen:

Homepage des Bezirks Oberfranken

 

> Zurück zur Statementübersicht